Die Hügel von Istanbul

Ein Film von Ellen Rudnitzki und Zeynel Kızılyaprak

Filmtitel: Die Hügel von Istanbul
Produktionsland: Deutschland
Uraufführung: 26.02.2021 – Tüpisch Türkisch Filmfestival 
Laufzeit: 90 Minuten
Filmformat: Full HD | 5.1 stereo | Farbe
Vorführformate: DCP, DVD, Blu-ray
FSK: Ab 12 Jahren
Produktion: Agîr Media 
Verleih: Agîr Media 
Artwork: Sven Pilz 
Web: www.agir.media

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Der Film erzählt die Geschichten der Müllsammler von Istanbul, die sich mit ihren Karren tollkühn die Hügel herunterstürzen und sich hinter den riesigen Säcken ducken, als böten sie Schutz vor Trennung, Krieg und dem Verlust der Heimat.

Kurzinhalt

Der Film zeigt drei Jahre aus dem Leben von Bayram und Ahmet, deren unterschiedliche kulturelle Sozialisation als Roma und als Kurde ein Lebensgefühl hervorruft, wie es unterschiedlicher nicht sein könnte. Offen sprechen sie über ihre Träume und Pläne, äußern sich auch zu politischen Ereignissen, wie Putsch und Referendum. Der Broterwerb in einem wirtschaftlich zunehmend instabilen Land und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft für ihre Kinder zwingen sie, sich ständig wechselnden Begebenheiten anzupassen. Ihr Weg folgt den Notwendigkeiten des Überlebens in innnertürkischer Migration. Mit dem Recycling von Pappe, Blech und Plastik gelingt ihnen ein bescheidenes Leben. Ihre Heimat wird jedoch sowohl durch Zerstörung, Terror und Krieg, als auch durch unkontrollierte Investitionen, Zwangsumsiedlung und Gentrifizierung bedroht. Die sicher geglaubten Rückzugsorte sind gefährdet. Die Türkei – ein tief gespaltenes Land.

Zuschauerstimmen: „Der Film zeigt eine Seite von Istanbul, die man so nicht vermuten würde“ „Der Film hat es geschafft, den Protagonisten ihre Würde zu lassen.“ 

Credits 

Ellen Rudnitzki
Zeynel Kızılyaprak
Abidin Kızılyaprak
Anja Theismann
Hans Engel | Angelmusic Köln – Ali Rıza Özkan | Daye Daye: Türküola Müzik ve Film Yapım 
Claas Benjamin Berger
Arno Fluder & Philipp Prehn | Stimm und Truppi
Phillip Prehn
Shaw de Jav | Rheinklang Media GmbH
Gaby Gehlen | Titelmanufaktur
Ellen Rudnitzki & Zeynel Kizilyaprak
Eine Agîr Media Produktion

Regie & Kamera       
Recherche                    
Ton                                  
Montage
Musik
Sound Design
Tonstudio
Mischung
Colour Grading
Untertitelung
Produzenten
Produktion

Der Film

Die Hügel von Istanbul folgt dem Roma Bayram und dem Kurden Ahmet auf dem Weg der innertürkischen Migration, die sich an den Notwendigkeiten des Überlebens orientiert. Beide arbeiten hart als Müllsammler in den hügeligen Straßen Istanbuls, um ihren Familien ein besseres Leben zu ermöglichen. Doch ihr Blick auf diese Art der Existenz könnte unterschiedlicher nicht sein und wird von der jeweiligen kulturellen Herkunft als ethnische Minderheit im Land bestimmt.

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„Die Hügel von Istanbul können dich töten“, meint Bayram und rast mit seinem riesigen Karren den Berg herunter. Bayram ist Roma und allein erziehender Vater von drei Söhnen. Die Familie lebt in Tarlabaşı, einem Armenviertel im Zentrum Istanbuls. Es ist das Viertel mit der höchsten Einwanderungsquote aus Anatolien, das Viertel der zerplatzten Träume, der Drogenkriminalität. Hier, nur einen Steinwurf entfernt vom quirligen Szeneviertel Beyoğlu, haben auch die Roma ihren Platz. Viele von ihnen arbeiten als Müllsammler.

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Als Roma hat Bayram gelernt, sich den verschiedensten Situationen anzupassen. Mit Geschick und Pragmatismus laviert er sich durch die Widrigkeiten des Lebens. Seinen Beruf als Müllsammler sieht er auch als Berufung, ein Stück Freiheit, ein selbstbestimmtes Leben ohne Chef. „Wenn jemand seinen Job gut macht, meint er, kann er ihn nicht aufgeben, nie in seinem ganzen Leben“. Ahmet ist Kurde. In seinem Dorf in der Nähe von Diyarbakır arbeiten fast alle Männer als Müllsammler in Istanbul – 1.300 Kilometer von der Heimat entfernt. Von Ahmets sechs Kindern arbeiten zwei Söhne bereits im Müllgeschäft. Gerne tun sie das nicht. Doch in ihrer Heimat, im kurdischen Südosten der Türkei herrscht eine hohe Arbeitslosigkeit. „Wenn es bei uns zu Hause irgendeine Arbeit gäbe, würden wir diesen Job nicht machen“, meint Ahmet. „Es ist nicht gut, mit dieser Arbeit in Berührung zu kommen“, meint Azad, sein Sohn.

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Wenn Ahmet in Istanbul arbeitet, kümmert sich seine Frau Remziye im Dorf um die Kinder und das Vieh, um Kühe, Hühner und Gänse. In einem Garten ziehen sie Gemüse. Zum Leben für die achtköpfige Familie reicht das nicht. Jeden Dienstag kommt der Pendelbus und bringt wieder einen Teil der Dorfgemeinschaft in den Moloch Istanbul. 20 Stunden sind sie unterwegs. 20 Stunden, in denen Ahmet von einem stolzen Familienoberhaupt und anerkannten Mitglied der Dorfgemeinschaft zu einem Müllsammler wird, auf den die feine türkische Gesellschaft herunterblickt. Anfangs schaut er immer wieder auf sein Handy, Bilder der letzten gemeinsamen Mahlzeit, die Frau, die Kinder. Im Morgengrauen verblassensie. Er muss der Sehnsucht Herr gewor-
den sein, jetzt helfen ihm nur noch die Freunde anzukommen in seiner zweiten Welt, die er aus tiefstem Inneren verachtet.

Während Ahmet und seine Söhne sich in Istanbul unsicher und diskriminiert fühlen, genießt Bayram in seinem Viertel ein hohes Ansehen. Besonders stolz ist er, wenn er seine Fundstücke auf dem Nachtmarkt gut verkauft. Hier spiegelt sich auch die wirtschaftliche und politische Situation der Türkei. Immer mehr gut gekleidete Kunden, decken sich hier für ein paar Lira mit Gebrauchtsachen ein. Eine Wirtschaftskrise hat das Land im Griff. 

Immer wieder bricht die große Politik in das Leben der Müllsammler ein: Ein gescheiterter Putsch, ein Verfassungsrefeendum, der Einmarsch der türkischen Truppen in Syrien. Ständig müssen sie ihren Alltag darauf einstellen und versuchen ihr Ziel: den Kindern ein besseres Leben, einen Schulabschluss und eine Ausbildung zu ermöglichen, nicht aus den Augen zu verlieren.

Doch das wir zunehmend komplizierter: Bayrams ältester Sohn Cemal hat seine Arbeit verloren. Dass der 17jährige noch auf´s Gymnasium geht und nicht ständig zur Verfügung steht, hat dem Arbeitgeber nicht gepasst und neue billige Hilfskräfte stehen Schlange. Jetzt hilft Cemal seinem Vater beim Müllsammeln. Glücklich macht ihn das nicht und das Geld fehlt. Seid Bayram geschieden ist, leben seine drei Jungens bei ihm. Er ist der Haupternährer. Die Scheidung ging von Bayrams Frau Seher aus. Er tat alles, um sie zu halten. „Sie war grundlos eifersüchtig“, sagt er. „Er hat mich einfach nicht genug beachtet“, sagt sie. 

Die Kinder finden die Eltern „doof“ und verstehen die Trennung nicht.  Bayram hätte seine „Ex“ gerne zurück und stellt ihr nach. Bisher vergeblich. Wenn Ahmets ältester Sohn Vedat in Istanbul arbeitet, macht er sich zunehmend Sorgen um die Daheimgebliebenen. Bei einer Auseinandersetzung der verbotenen Arbeiterpartei PKK mit dem türkischen Militär wurde auch das Haus seiner Freundin von einer Bombe getroffen. Die Familie musste umziehen. Vedat möchte raus aus dem Dasein als Müllsammler, das ihn immer wieder zwingt, die Heimat zu verlassen, In einem Fernstudium bereitet er sich auf die Aufnahmeprüfung für die Universität vor. Seine Bücher nimmt er mit ins Depot. Das Stigma des Müllsammlers holt ihn jedoch ein. Die Eltern der Freundin stellen sich gegen die Beziehung. Einem Müllsammler möchten sie ihre Tochter nicht geben. Doch Vedat kämpft um seine Liebe, in einer zunehmend bedrohten Heimat. Nur 150 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt liegt ihr Dorf Alitaş, in einer für das türkische Militär strategisch wichtigen Zone. 

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Die Bewohner würden umgesiedelt, meist in weit entfernte Vororte und das würde allen den Boden unter den Füssen wegziehen. Längst gleicht das Leben einem Tanz auf dem Vulkan, der jederzeit ausbrechen kann. Im Dorf Alitaş hat sich die ganze Familie versammelt um Vedat zu verabschieden. Vedat muss seinen Militärdienst antreten und an der nahe gelegenen Grenze ist Krieg. Und dann, meint Ahmet, kämpfen vielleicht Kurden gegen Kurden. Die Schwester weint. In Tarlabasi rücken die Bagger und Kräne bedenklich näher. Jeden Tag fressen sich die Baustellen weiter in das Viertel hinein. Doch, als könnten sie dem Leben noch etwas abtrotzen wird auf den hügeligen Straßen getanzt, „Para Biz- de ….wir haben das Geld, wir sind berühmt und was hast du?” schallt es aus dem hingehaltenen Handy.

Nur knapp konnten sie durch massiven Protest die Besetzung eines Teil ihres Landes für einen Militärstützpunkt vorübergehend verhindern. Land, das sie dringend für ihre Tiere brauchen, die es sowieso schon schwer haben, in dem steinigen Gelände Futter zu finden. Auch die Heimat der Roma ist bedroht. Für Bayram, Seher und die Kinder ist die Tarlabasi auch nach der Scheidung Heimat geblieben.  Hier hat Bayram sich 18jährig niedergelassen, Mutter, Schwester, Onkel und Schwager sind gefolgt, hier sind seine Kinder aufgewachsen. Hier fühlen sie sich als Roma anerkannt und akzeptiert. Doch wegen der anhaltenden Wirtschaftskrise pumpt die Regierung viel Geld in den Bausektor und eins der angedachten Projekte ist die Sanierung der Tarlabasi. Die alten zerfallenen Häuser sollen in moderne Hotels und Luxuswohnungen umgewandelt werden. 

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Protagonisten

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Bayram Renklihava

Bayram Renklihava ist Roma und arbeitet als Müllsammler in Istanbul. Mit Geschick und Pragmatismus laviert er sich durch die Widrigkeiten des Lebens. Seinen Beruf als Müllsammler sieht er auch als Berufung, ein Stück Freiheit, ein selbstbestimmtes Leben ohne Chef. Nach der Scheidung von seiner Frau Seher sind die drei Söhne, Cemal, Mustafa und Mertcan bei ihm geblieben. Die Familie wohnt in Tarlabasi, einem Armenviertel in der Nähe des Szeneviertels Beyoğlu. Hier, in dieser multikulti Gegend fühlt er sich als Roma anerkannt und akzeptiert. Zusammen mit seiner geschiedenen Frau Seher bekommt er die Familie, trotz aller Konflikte, ganz gut gemanagt. Alle Kinder gehen zur Schule, die Großen aufs Gymnasium. Bayram selbst konnte nur ein paar Jahre zur Schule gehen, deswegen ist ihm eine gute Ausbildung für seine Kinder wichtig.
Bayrams größte Angst ist die Sanierung der Tarlabaşi. Eine Umsiedlung würde ihr ganzes Leben aus den Fugen bringen.

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Seher Günizde

Seher Günizde ist eine selbstbewußte junge Frau, die die Trennung von ihrem Mann konsequent durchgezogen hat, als sie sich nicht mehr genug beachtet fühlte. Die Trennung von den Kindern ist ihr schwer gefallen, doch es war ihr wichtig auf eigenen Füssen zu stehen. Und sie kann ihre Arbeitszeit nicht so einteilen wie Bayram. Die Kinder sieht sie trotzdem regelmäßig. Tarlabasi ist auch ihre Heimat geblieben. Mit ihrem Ex-Mann verbindet sie nach wie vor die gemeinsame Sorge für die Kinder. Eine Beziehung zu ihm kann sie sich, anders als Bayram, nicht mehr vorstellen.

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Ahmet Yaşar

Ahmet Yaşar ist Kurde. Wie fast alle Männer in seiner Umgebung, pendelt er zwischen dem Dorf Alitaş, nahe der Kurdenhauptstadt Diyabakir und einem Mülldepot in Istanbul hin und her. 20 Stunden braucht der Minibus vom Dorf in den Großstadtmoloch. 20 Stunden in denen aus dem angesehenen Mitglied der Dorfgemeinschaft ein kurdischer Müllsammler wird, auf den die Leute herabsehen. Ahmet hasst diesen Job. „Wenn es irgendeine Arbeit in unserer Heimat gäbe, würde ich diese Arbeit nicht machen, sagt er. Als Kurde fühlt Ahmet sich ständig bedroht, von Feinden umgeben. Das Misstrauen gegen die Obrigkeit hat er, wie die meisten Kurden, praktisch mit der Muttermilch aufgesogen. Im Dorf betreibt die Familie Viehwirtschaft. Doch in der steinigen Gegend ist es nicht einfach Futter zu finden. Mit seiner Frau Remziye hat er sechs Kinder. Vier Jungen und zwei Mädchen. Im Dorf gehen alle Kinder zur Schule. In den Ferien arbeiten zwei Söhne im Müllgeschäft. Sorgen macht ihm, der Militärdienst seines ältesten Sohnes. Wenn sie ihn in den Osten schicken, kämpfen Kurden gegen Kurden.

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Remziye Yaşar

Remziye Yaşar hat gelernt das Leben so zu nehmen, wie es kommt. An eine Auflehnung gegen diese Umstände hat sie nie gedacht. Mit ihrem Mann verbindet sie eine tiefe Zuneigung. Die von den Eltern arrangierte Ehe hat sie nie in Frage gestellt. Die Kinder sieht sie als „Geschenk Gottes“. Wenn Ahmet in Istanbul arbeitet, kümmert sie sich klaglos um die Familie, das Vieh und den Garten. Die Kinder müssen mithelfen, trotzdem ist es ihr wichtig, dass alle Kinder zur Schule gehen. Das ihr mittlerer Sohn Serhat, die Schule abbrechen musste, weil er als Hirte gebraucht wird, belastet sie sehr. Deswegen hat sie wieder angefangen zu rauchen. Auch der Krieg an der Grenze macht ihr Sorgen, sie fürchtet um ihre Söhne, die einmal dorthin geschickt werden könnten. 

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Cemal Renklihava

Cemal Renklihava ist der älteste Sohn von Bayram und Seher. Wie seine Brüder lebt er beim Vater. Cemals Traum ist es auf der Polizeiakademie zu studieren und Polizist zu werden. Nicht zuletzt auch wegen der tollen Motorräder, auf denen die Polizisten durch die Gegend fahren. Doch vor diesem Traum steht zunächst mal das Abitur und das ist nicht so einfach, besonders wenn man nebenher arbeiten muss. Jetzt hat er auch noch seinen Job in einer Schokoladenfabrik verloren und neue Arbeit ist nicht leicht zu finden. Billige Arbeitskräfte gibt es reichlich. Ziemlich lustlos hilft er seinem Vater beim Müllsammlen und blickt neidisch auf die Freunde, die beschäftigt sind. 

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Vedat Yaşar

Vedat ist der älteste Sohn von Ahmet und Remziye. Wie sein Vater sieht er diesen Job als Notlösung, weil irgendwie Geld verdient werden muss. Neben dieser Arbeit absolviert er ein Fernstudium in Elektrotechnik als Vorbereitung zur Universität. Vedats größte Sehnsucht und letztendlich auch sein größtes Problem ist seine Freundin. Die jungen Leute haben schon Zukunftspläne gemacht. Sie wollen heiraten und viele Kinder kriegen. Doch in der kurdischen Kultur geht das nicht ohne die Zustimmung der Eltern. Und zumindest die Familie der Freundin ist strikt gegen diese Verbindung. Einen Müllsammler als Schwiegersohn, das wäre ein Unding. Immer wieder versucht Vedat die Eltern zu überzeugen, dass er ja einmal zur Uni gehen wird und den Müllsammlerjob an den Nagel hängen will. Doch das überzeugt die Eltern nicht. Letztendlich müssen die jungen Leute sich trennen. Vedat muss seinen Militärdienst machen und hofft das er nicht an der syrisch/irakischen Grenze in Kriegshandlungen verwickelt wird.

Die Regisseurin

Zum Film: Die Hügel von Istanbul

Seit 16 Jahren verbringe ich einen Teil meines Lebens in der Metropole Istanbul und sie ist mir längst zur zweiten Heimat geworden. Seit dieser Zeit arbeite ich auch zusammen mit dem kurdischen Journalisten Zeynel Kizilyaprak, der 2003 aus politischen Gründen aus der Türkei fliehen musste, 2004 wieder zurückkehren konnte und nun zwischen Köln und Istanbul pendelt. Von Anfang an habe ich mich gefragt, wie erleben die Menschen, die hier leben, dieses Land. Seit 16 Jahren berichten wir aus der Türkei. 2017 haben wir unsere Produktionsfirma Agîr Media gegründet. Wir haben die großen politischen Ereignisse, wie die Gezi-Proteste, den Putschversuch und das Verfassungsreferendum immer unter dem Aspekt gesehen, wie spiegelt sich die große Politik im alltäglichen Leben. Viele Themen sind einfach entstanden, weil sie praktisch „vor der Haustür“ stattfinden. Vielleicht braucht es diesen Blick des immer noch Fremden, um Menschen und Situationen nicht einfach hinzunehmen, sondern sich zu fragen, wer oder was steckt dahinter.
Wir haben als Hauptdarsteller einen Roma und einen Kurden mit ihren Familien gefunden, die, obwohl sie im selben Land leben, von Kulturen geprägt sind, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Und somit ihren ganz speziellen Blick auf das Leben und ihren Beruf haben. Sie haben uns erlaubt, sie über einen langen Zeitraum in ihrem Alltag zu begleiten, haben uns ihre Sorgen, Hoffnungen und Wünsche erzählt. Kennengelernt haben wir Menschen die uns großen Respekt abverlangt haben und die trotz aller Widrigkeiten in einem unruhigen, tief gespaltenen Land ihr Ziel, ihren Kindern eine besseres Leben zu ermöglichen, nicht aus den Augen verlieren.  So ist der spannender Film entstanden, über die Menschen, die von dem leben, was andere wegwerfen. 

Ellen Rudnitzki & Zeynel Kizilyaprak

Wir haben den Film über die Müllsammler in Istanbul gedreht, weil sich in den beiden Protagonisten, dem Roma Bayram und dem Kurden Ahmet, als Vertreter meist diskriminierter ethnischer Minderheiten, die türkische Politik im Alltäglichen spiegelt. Indem wir dem Lebensrhythmus der Müllsammler folgen, die hinter ihren riesigen Lastkarren nahezu verschwinden, machen wir die Menschen dahinter sichtbar, deren unterschiedliche kulturelle Sozialisation als Roma und als Kurde ein Lebensgefühl hervorruft, welches verschiedener nicht sein könnte. Es bestimmt den täglichen Existenzkampf in einer tief gespaltenen, wirtschaftlich und politisch extrem instabilen Türkei.

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  • Muellsammler_Still_3_©agirmedia

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